Was uns das Ende der türkischen Selbstbestimmung lehrt

Erdogan hat sich durchgesetzt. Denkbar knapp, aber gewonnen ist gewonnen. Er wird das Präsidialsystem umsetzen. Allen Widerständen, die aufgrund einer Vielzahl von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl folgerichtig sind, zum Trotz.

Man kann kaum sagen, wie wohl die Wahl ausgegangen wären ohne Einschüchterungen und offensichtlicher Manipulationen. Vielleicht wäre es ein knapper Sieg der Hayir-Bewegung geworden, vielleicht auch nicht. Wie auch immer der wirkliche Sachverhalt diesbezüglich sein mag, bleibt die Erkenntnis, dass rund die Hälfte aller Türken die Demokratie abschaffen wollten.

Gefühle ersetzen den Verstand

Und genau jene abermillionen Menschen zeigen uns die Grenzen der Demokratie auf. Sie ist selbst ihrer größter Feind. Denn Menschen sind leicht manipulierbar. Identitätsstiftende Emotionen ersetzen jede Logik und jeden Sinn. Erdogan-Anhänger haben sich von Gefühlen leiten lassen, manipuliert von einem machtgierigen Despoten.

Sie lebten und leben in einer Demokratie, sind aufgewachsen mit allen Vorzügen der freiheitlichen Grundordnung und waren dennoch dazu bereit ihre Stimme gegen die Demokratie abzugeben. All das im Tausch für das Gefühl der Dazugehörigkeit und Stärke. Menschen, die dazu bereit sind, kann man als ein Schwäche der Demokratie begreifen.

Die Demokratie vor sich selbst schützen

Eine perfekte Demokratie würde einen ebenso perfekten und nicht manipulierbaren Menschen voraussetzen. Da aber freilich niemand perfekt ist und auch große Teile der Menschheit erschreckend einfach zu manipulieren sind, muss der Faktor Mensch in der Gleichung der besten Form von Demokratie mit eingebracht werden.

Erdogan hat verstanden, Demokratie schafft man mit demokratischen Mitteln ab. Was bleibt ist eine Lehre, die man schon häufig gezogen hat: Um die Demokratie zu schützen, muss man sie manchmal vor sich selbst schützen.

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