„Höhö, Einzelfälle“ – Von der linken Aneignung rechter Kampfbegriffe

In letzter Zeit erlebt ein häufig von Rechten genutzter Begriff eine unrühmliche Renaissance: Einzelfälle.
Seit Jahren nutzen Rechte den Begriff immerzu, wenn irgendwo ein Verbrechen oder ein Anschlag von Ausländern oder Leuten mit Migrationshintergrund verübt wurde. Sie wollen auf „ironische“ Art damit behaupten, dass so was bei allen „Nicht-Deutschen“ ein strukturelles Problem sei. Dass also alle, die die Rechten nicht als Deutsche einstufen, ein strukturelles Kriminalitätsproblem haben.
Verwendung in der linken Szene
Mittlerweile hat der Begriff und die mit ihm einhergehende verächtliche Art über eine Gruppe von Menschen verallgemeinernd zu urteilen auch in der linken Szene Fuß gefasst (Heute, 30.11.2020, z.B. als Teaser vom Spiegel auf Facebook und Twitter gepostet). Sie beziehen sich freilich nicht auf Menschen mit Migrationshintergrund, es geht bei ihnen zuletzt sehr oft um Polizisten. Immer wieder fällt der Begriff „Einzelfall“, wenn über Vorwürfe an die Polizei berichtet wird. Sie wollen damit die Behauptung aufstellen, dass die Polizei ein strukturelles Rassismusproblem hätte.
Wenngleich die verallgemeinerte Gruppe eine andere ist, die Vorgehensweise bleibt in beiden Fällen gleich. Es wird ein strukturelles Problem unterstellt, das keine andere Wahl lassen würde als grundsätzlich Vorurteile und ein Misstrauen gegen die Gruppen zu hegen. Rechte wollen, dass man allen mit Argwohn begegnet, die irgendwie anders aussehen. Linke wollen, dass man allen mit Polizeiuniform grundsätzlich kritisch begegnet. Unterschiedliche Gruppen, gleiche Systematik.

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