Ein Gebet

Komm zeig mir,
wer ich bin,
komm sag uns,
was wir nicht wissen.

Gib uns Kraft,
schenke uns Mut,
leite unsere Gedanken,
sei unser Prophet.

Komm zurück,
Bleib nicht weg,
denn sonst müssten
wir Götter sein.

Wir müssten denken,
wir müssten stark sein,
wir müssten klug sein
und wir müssten uns kennenlernen.

Bitte erlöse uns davon,
wir wollen unser Schicksal in deine Hände legen.
Wir wollen dafür keine Verantwortung übernehmen.

Einem Gott, der zu alledem in der Lage ist,
werde ich mich demütig auf alle Zeiten ergeben.

Amen.

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Falsche Intelligenz

Diskutieren ist ein schwierige Kunst. Denn in erster Linie geht es dabei nur selten um das echte Interesse an Erkenntnisgewinn. Vielmehr geht es darum, sich selbst darin zu bestärken richtig zu liegen. Schließlich halten sich viele Menschen für ein verkanntes Genie. Als solches liegt man natürlich nur selten falsch. Dementsprechend besteht auch keine Notwendigkeit sich mit Argumenten auseinander zu setzten, die konträr zur eigenen Meinung stehen. Bevor das geschieht wird selbstverständlich erst einmal der andere Diskutant genauestens auf Schwächen geprüft. Zeigt er eine solche, dann kann sein Argument auch keinen Wert haben. Jeder Mensch hat Schwächen, mit guten Argumenten muss man sich folglich nur äußerst selten beschäftigen. Welch ein Glück.

Andere Meinungen zu akzeptieren und sie als ebenbürtig anzuerkennen ist eine große Wesensstärke. Umso schlimmer ist es, wenn die eigene Meinung nicht verstanden werden will. Sie wird bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, weil sie sonst nicht das Weltbild des anderen Diskutanten passen würde. Es ist so, als ob man einen schönen Prinzen in einen Kampf schicken will. Doch bevor dieser schöne Prinz den Kampf überhaupt antreten kann, wird er entführt und durch eine Mischung von Aquaman, Quasimodo und einer kleinen Wühlmaus ersetzt. Dieses Wesen, wie man es sich auch vorstellen mag, wird nicht siegreich von dannen ziehen.

So wird das mit jedem neuen Kämpfer praktiziert, er wird ein ums andere Mal ausgetauscht. Weil er nicht gewinnen darf. Und weil ein Sieg über einen unbesiegbaren Drachen nicht möglich ist. Obwohl ein Argument statt mit des Begriffes eines Kämpfers wohl eher treffender als Diplomat zu bezeichnen ist. Dennoch, kein Argument wird so verstanden, wie es gemeint war. Viele Menschen sind unzufrieden mit sich und glauben, dass sie diese Unzufriedenheit loswerden könnten. Sich selbst Recht zu geben in Gesprächen, indem man die anderen Argumente und Argumentierenden zu erniedrigen versucht, ist eine schäbige Art und Weise mit den eigenen Problemen umzugehen.

Viele Menschen halten sich für klug. Ich denke, dass gerade diejenigen es nicht sind. Wer glaubt, nicht intelligent zu sein, der hat das größte Zeichen an Intellekt gezeigt, zu dem ein Mensch überhaupt fähig ist.

Eine kleine Welt

Bei der Betrachtung der derzeitigen Verschiebung eines nationalen Bewusstseins wird mir schwummrig. Die Welt rückt immer weiter zusammen und wird im Zuge dessen immer kleiner. Das macht einigen Angst. Sie sehen sich gezwungen über die bisherigen Grenzen hinaus zu blicken.
Die Antwort darauf ist der neu aufkeimende Nationalismus in Europa. Dieser erscheint wie eine unzeitgemäße Trotzreaktion auf etwas, das unabänderlich ist.

Viele Europäer betrachten sich auch als solche und das ist gut. Denn diese Sichtweise geht mit der Zeit. Ob einem die Globalisierung gefällt oder nicht, sie passiert. Ob man gegen sie ist, interessiert die Globalisierung nicht.

Ich persönlich finde es gut, dass die Menschheit immer weiter zusammenrückt. Denn wie sie das tut fällt mehr und mehr Menschen auf, dass die Unterschiede gar nicht so groß sind. Dabei bleibt die Hoffnung, dass es irgendwann die Generation Mensch geben wird. Aber das wird wohl noch Zeit brauchen.