Unerträgliches Schweigen

Lange habe ich Merkel verteidigt. Sie Menschen Schutz geboten, die diesen in tiefster Not benötigten. Ich habe geglaubt, sie täte es aus Überzeugung, Menschenrechte auch international zu verteidigen. Einer meiner größten Kritikpunkte an unserer Gesellschaft ist die nationalistische Begrenzung der Menschenrechte. Dabei sollten Menschenrechte nicht nur für Europäer und andere reiche Gebiete gelten, sondern für Menschen im Allgemeinen. So wie Armut, Wohlstand und Menschenwürde häufig nur im Rahmen des nationalen Staates bemessen werden, empfinde ich es als euphemistisch in diesem Zusammenhang von allgemeinen Menschenrechten zu reden.
 
Umso erfreulicher war der Schritt die syrischen Kriegsflüchtlinge in Deutschland zu empfangen und ihnen eine sichere Zuflucht zu gewähren. Diese Entscheidung stellte eine Sezession der bislang gebräuchlichen Ausprägung rein nationalistischer Menschenwürde dar. Auf einmal galt Menschenwürde auch für im Krieg gebeutelte Menschen. Ich habe darin einen Umbruch gesehen. Einen großen Schritt zu einer geeinten Menschheit.
 
Doch es werden mittlerweile Zweifel groß über die Motive von Merkel. Sie schweigt nun mehr schon seit zu langer Zeit. Die Türkei marschiert in Syrien ein und bekämpft jene Kurden, ohne die ein Sieg gegen den IS undenkbar gewesen wäre, mit deutschen Waffen. Kurz vorher noch haben die türkischen Spitzenpolitiker noch die Nähe zu Deutschland gesucht. Man fragte sich, woher der Sinneswandel denn auf einmal kommen konnte. Jetzt ist klar: Schnell Deutschland besänftigen und dann kann der Einmarsch starten.
 
Und es funktioniert. Glückwünsch.
 
Merkels und das Schweigen aller anderen Spitzenpolitiker der großen Parteien ist unerträglich und eine einzige Bankrotterklärung an jede Überzeugung, die in jungen Jahren womöglich auch deren Köpfe noch heimsuchten. Dieser Tage bin ich sehr enttäuscht von unserer politischen Führung. Wir brauchen Erneuerung.
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Ein schwarzer Tag für die deutsche Demokratie

Jetzt ist es offiziell. Es kommt zu Koalitionsverhandlungen und damit auch zur GroKo. Ein erwartbares Ergebnis und eines, das wahrscheinlich unumgänglich war.

Die Motivation hinter der Entscheidung dahinter mag sehr unterschiedlich sein. Einigen wird es um ihre Posten gegangen sein, viele andere wollten vermutlich Verantwortung übernehmen, in Zeiten in denen das nicht honoriert wird. Eine Art Aufopferung. Wichtig wird sein, es auch so darzustellen.

Dadurch bringt sich die SPD in eine gute Position für die Koalitionsverhandlungen. Gelingt es der SPD nicht überproportional viel herauszuschlagen und gelingt es der Partei nicht in der nächsten Legislaturperiode mehr als nur als Juniorpartner wahrgenommen zu werden, dann dürfte sich die heutige Entscheidung als großer Fehler erweisen. Ich gehe davon aus.

Grau in grau

Nun also ist es fast offiziell. Es kommt zur GroKo. Viele stöhnen und ich stimme mit ein. Das Ergebnis der Sondierungen ist genauso grau und deprimierend wie der Hamburger Himmel. Keine großen Richtungsänderungen, nur kleinere Korrekturen in verschiedene Richtungen. Nichts, worüber es groß zu diskutieren lohnt. Allein bemerkenswert ist das sofortige Abrücken der Klimaziele 2020, was Merkel noch direkt vor der Wahl vehement abgestritten hat. Auch in der Sondierung zu Jamaika schien ein Abrücken unmöglich. Doch zwei Minuten GroKo Sondierungen: Zack, wars weg. Merkwürdig. Klimakanzlerin war einmal.

Vieles bleibt so allgemein, dass man kaum davon sprechen kann, es wäre überhaupt etwas entschieden worden. Die GroKo wurde abgewählt, 14% gingen verloren. Es gibt zwar kaum andere Möglichkeiten mehr und eine GroKo schien schon lange unausweichlich. Aber die Wähler haben definitv nach einer Sache verlangt: Veränderung. Ich denke, dass es gar nicht mal nur um das Konstrukt GroKo ging. Ein personeller Wandel, ein paar frische Themen, das hätte unserem Land gut getan. Wir brauchen eine Regierung, die sich rechtfertigen muss und eine Opposition, die sich wehren kann.

Statt Erneuerung aber ist alles beim alten. Weitermanchen, die Devise. Gleiche Leute (die Stühle im Bundestag müssen sehr bequem sein) und keine neuen Themen. Die SPD hatte die einmalige Chance viel fordern zu können. Eine Chance, die verpasst wurde. Drei Themen hätten der SPD geholfen: Reform der Agenda 2010, massive (!) Verbesserung für die Pflege, Bürgerversicherung. 8000 neue Stellen in der Pflege sind wenig, die Arbeitsbedingungen werden dadurch kaum gebessert und auch das Gehalt wird nicht erhöht.

Alles in allem nichtssagend, kein bisschen mutig und genauso wenig definierbar und profilunscharf wie die GroKo der letzten Legislaturperiode. Politikverdruss, ick hör dir tapsen.

Grundeinkommen? Ja. Aber nicht jetzt.  

Immer wieder wird das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert. Ich finde die grundlegende Idee dahinter gut. Einem jeden Bürger soll dadurch die maximal große Freiheit gegeben werden, wirklich ein Leben in Selbstbestimmtheit führen zu können. Ohne sich dabei dem Zwang, genügend Geld verdienen zu müssen, zu beugen. Und ehrlich: Rein auf mich bezogen, würde ich jubelnd Ja! Schreien. Ich würde mich wohl als Autor versuchen und vermutlich mein Geld nicht in der maritimen Wirtschaft verdienen.

 

Doch habe ich große Zweifel, ob das BGE funtionieren kann. Man nehme mal an, dass jeder nur noch machen würde, was er wirklich will. Dann haben wir ein Land mit 30 Mio. Schriftstellern, Musikern und Malern. Was ja alles auch schöne Sachen und Berufungen sind. Aber sie sind im wirtschaftlichen Sinne nicht wertschöpfend. Berufe wie die Friseur oder Obestverkäufer würden kaum Personal finden, welches nur noch mit extraordinären Gehältern gelockt werden könnte. Das wiederum führt dazu, dass Produkte, Waren und Dienstleistungen sehr teuer werden würden und man für eine Birne mal eben 5€ ausgeben muss. Das Vermögen steigt, die Kaufkraft nicht. Darin sehe ich bisland noch einen nicht aufgelösten Konflikt.

 

Nochmal auf mich bezogen. Es hat einen Grund, warum von mir keine Bücher auf dem Markt sind. Andere haben mehr Talent, mehr Durchhaltevermögen, stecken mehr Energie hinein und haben deshalb einen Vorteil anderen gegenüber auf einem Markt, der eben auch nur eine begrenzte Nachfrage hat. Sehr viele würden beim versuch sich zu verwirklichen wohl scheitern und wären keine Bereicherung, sondern eher eine Belastung für unser Land, mich eingeschlossen.

 

Ich sehe das allerdings noch stark im Kontext unserer Zeit. Durchaus ist es vorstellbar, dass eine Gesellschaft, die sich immer mehr Stellen durch Digitalisierung entledigt, über Möglichkeiten nachdenken muss, wie die für Unternehmen effektivere und kostengünstigere Produktion nicht gleichbedeutend ist mit steigender Arbeitslosigkeit und Armut. Je mehr Stellen wegfallen bei gleichzeitig steigender wirtschaftlicher Wertschöpfung, desto klarer muss sein, dass von dieser Wertschöpfung trotzdem genug bei denen ankommen muss, die ihren Job deswegen verloren haben. In einem solchen Szenario halte ich ein BGE für durchaus vorstellbar und sogar notwendig.

 

Wenn jeder nicht einfach mehr bekommt, sondern jeder das bekommt, was er sich sonst selbst erarbeitet hätte, dann sehe ich auch die implizierte Gefahr eines Kaufkraftverlustes nicht mehr.

Ein trauriger Zustand

Ende September waren die Bundestagswahlen. Nicht mehr lang bis Weihnachten und noch immer sind wir einer Regierung kaum näher als direkt nach den Wahlen. Ich halte das für einen ungewöhnlichen und unwürdigen Zustand. Nicht, dass ich nicht auch Verständnis habe für äußerst schwierige Situationen, in denen sich die einzelnen Parteien befinden. Aber irgendwie drängt sich mir das Gefühl auf, dass die Parteien ihre Rolle innerhalb der Demokratie in Deutschland verloren haben.

Denn in der flapsigen Haltung a la „Neuwahlen wären kein Problem.“ oder „Wir warten ab bis die anderen sich bewegen“, offenbart sich ein Bildnis, dass ich für bedenklich halte. Denn es stellt die Parteien und Politiker und nicht die Entscheider, die Wähler, in den Mittelpunkt. Jene wählen und ergeben den Auftrag an die gewählten Parteien eine Regierung zu bilden. Ein Auftrag, der in seiner Dringlichkeit momentan nicht von allen Parteien hinreichend ernst genommen wird.

Eine Enttäuschung darüber kann ich nicht mehr wirklich verbergen. Die FDP hat Angst vor der eigenen Courage und tut so als wisse sie nicht, was ein Kompromiss ist. Die CDU agiert in einer Art eines Siegers und vergisst die signifikanten Verluste. Die Grünen sonnen sich in der angenehmen Situation nicht Schuld zu sein.

Nur die SPD kann ich einigermaßen verstehen. Sie ist in einem fast chaotischen Zustand, alle suchen noch den eigenen Platz. Doch trotzdem kommt ihnen von den anderen die Aufgabe zu, das sich abzeichnende Drama noch in eine Dramödie zu retten. In etwa so als würde man vom Abiturienten verlangen, der sich in seinem Work and Travel Jahr in Australien über seine Zukunft Gedanken machen will, VW durch die Abgaskrise zu führen. Er wäre mit dieser Aufgabe ähnlich überfordert, wie es die SPD in einer neuen GroKo wäre.

Politikverdruss entsteht unter anderem aus dem Gefühl überhaupt keinen Einfluss zu haben. Was wäre es für ein Zeichen, wenn es trotz eindeutiger Abwahl der GroKo nun doch zur GroKo kommt, weil es nicht eine einzige Alternative gibt. Und was wäre es für ein Zeichen, wenn die Politiker sagen „Was ihr gewählt habt, schränkt uns in unseren Plänen zu sehr ein, wählt gefälligst nochmal.“? Weder GroKo noch Neuwahlen sollten wirklich Optionen sein. Doch realistisch betrachtet sind es die einzigen Möglichkeiten. Auch in mir löst das einen Verdruss aus.

„Religionskritik“

Bombenfund am Weihnachtsmarkt und das Internet glüht. Hasstiraden quellen aus Kommentarspalten hervor und machen sie einem unwirtlichen Ort.

Wieder einmal bewahrheitet sich, dass man eine Situation nicht bewerten sollte, noch bevor man überhaupt Näheres weiß. Wie sich die Leute die Finger wund geschrieben haben und sich in „Religionskritik“ übten. Dabei geht es hier nicht um den Glauben an einen Gott, sondern um den Glauben an das göttliche Geld. Denn es handelt sich um einen Erpressungsversuch.

Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass die ohne Kenntnis Schreibenden gerne und willentlich in Kauf nehmen ohne Kenntnis zu schreiben. Es geht schließlich darum, das eigene Weltbild zu untermauern. Dass sie es tun und immer wieder tun werden, soll nicht entmutigen. Denn am Ende sind jene unbedeutend, solange nur weiterhin genug Menschen an Ausgewogenheit und Erkenntnis als Grundlage der Diskussion und des Denkens glauben.

Parallelen zwischen Rechts und Links

Der G20-Gipfel ist jetzt vorbei und wurde von den Protesten dagegen leider deutlich überschattet. Jetzt, am Tag danach, beginnt die Verarbeitung der Geschehnisse. Und ich muss sagen, dass ich sehr irritiert bin. Viel ist passiert, viel ist zerstört worden. Autos wurden angezündet, Geschäfte vollkommen zerstört und geplündert. Doch das Schlimmste sind die vielen verletzten Menschen, viele davon in den Uniformen der Polizei. Sie wurden mit Stahlkugeln beschossen, auf sie wurden Molotow-Cocktails, Pflastersteine und so einiges mehr geworfen. Insgesamt lässt sich nur eine katastrophale Bilanz ziehen. Als zum Teil kriegsähnlich wurden die Zustände beschrieben. Eine Bewertung dieser Ereignisse sollte deshalb ziemlich eindeutig ausfallen, so dachte ich zumindest.

 Herr über die eigenen Hände

Jedoch: Statt klarer Statements gegen diese Gewalt musste ich heute auch so einige (nicht wenige) Relativierungen, Verschwörungstheorien und Whataboutismus lesen. Das finde schwach, sehr schwach. Soetwas kenne ich sonst vornehmlich von Rechten, die rechte Gewalt auf die gleiche Art verteidigen.

 

So musste ich unter anderem lesen, dass die Gewalttäter gar nicht Schuld wären, wenn sie Gewalt ausübten. Schließlich wäre das nur eine Reaktion auf die weltweite Gewalt der Kapitalisten. Von rechter Seite heißt es ebenfalls, dass Neonazis gar keine Schuld haben, wenn sie beispielweise Flüchtlingsheime anzünden. Sie sähen sich gezwungen „wegen Merkels Flüchtlingspolitik!!1!1!!“. Dazu sei gesagt: Ein Jeder ist Herr über die eigenen Hände. Wer Gewalt ausübt, der trägt dafür ganz allein die Verantwortung und sonst niemand.

Relativierungen und Whataboutimus

Weiterhin wird oftmals die Vermutung geäußert, dass sich Rechte unter die Gewalttäter gemischt hätten. Das mag sein, Beweise stehen noch aus. Allerdings, auch wenn das richtig ist, was ich mir durchaus auch vorstellen kann, ändert das nichts an der Tatsache, dass die allermeisten Linksextremisten waren. Auch hier erkenne ich Parallelen zur oftmals verwendeten Argumentationslogik der Rechten. Diese behaupten ebenfalls häufig, um das Beispiel brennender Flüchtlingsheime weiter zu verwenden, dass Linke (Flase Flag) oder Flüchtlinge (Fake-News um den Pudding) selbst für die Feuer verantwortlich wären. Meines Erachtens ist das eine sehr relativierende Art zu argumentieren.

 

Ein weiteres Problem ist der zurecht gescholtene Whataboutismus, der sonst eigentlich das Lieblingsinstrument der Rechten ist. Bei jeder Art rechter Gewalt liest man fast schon reflexartig „Aber was ist mit linker Gewalt!“. Gleiches gilt aber jetzt auch für die Aufarbeitung der Gewalttäter bei den G20-Protesten. Plötzlich heißt es „Was ist mit brennenden Flüchtlingsheimen!!“. Gewalt ist schlimm und Whataboutismus ist immer nur ein Ablenkungsversuch. Es muss möglich sein über ein Thema zu reden ohne dass Vorwürfe gemacht werden, man rede nicht genug über andere Themen.

Die Abkopplung der Gewalt von ihrem Ursprung

Ein Letztes ist die Abkopplung der politischen Basis der Proteste. Es heißt, dass die Gewalttäter nicht politisch seien, sondern ausschließlich Freude an Gewalt hätten. Und ja, Freude an Gewalt ist sicherlich ein Faktor. Ich halte es aber für falsch so zu tun, als wären das apolitische Proteste und apolitische Gewalttäter gewesen. Das ist einfach nicht richtig. Es handelte sich halt überwiegend um Linksextremisten, die aufgrund ihrer politischen Meinung sich dazu brechtigt sahen, Gewalt auszuüben. So zu tun, als hätte die politische Ausrichtung dabei keine Rolle gespielt ist schon dahingehend haltlos, dass führende Persönlichkeiten wie Beuth oder die Interventionistische Linke die gewaltsamen Proteste als Erfolg bezeichneten. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der „Welt“ ergibt zudem, dass 51,6 Prozent der Anhänger der Linken die Aufstände für legitim halten.

 

Linke sollten sich von Linksextremisten allerdings nicht bedroht sehen. Der aller größte Teil der Linken hat nichts mit Extremismus am Hut. Und niemand, der noch bei Sinnen ist, würde das Gegenteil behaupten. Vielmehr beziehen die Linken eine sehr wertvolle und wichtige Position im demokratischen Spektrum. Deshalb sollte es eigentlich keine Umstände machen Linksextremismus als Problem anzuerkennen, um dann an Lösungen arbeiten zu können. Man darf nicht den Fehler machen Gewalttaten von ihrer Basis abzukoppeln. In Bezug auf politische Gewalttaten könnte man sonst auch das gleiche Argument für rechte Gewalt verwenden. Folgend würde das dann dazu führen müssen die Kategorie der politischen Gewalt komplett zu streichen. Das kann nicht Teil einer Lösung für Extremismus in jeglicher Form sein.

 Jede Form des Extremismus ist ein gesellschaftliches Problem

Sicherlich, und das sei noch dazu gesagt, sind die Formen des Extremismus in ihrer Natur oft sehr unterschiedlich. Doch ein Vergleich, der dazu dient, irgendwas zu relativieren, ist fehl am Platz. Auch ich halte rechten Extremismus für potentiell gefährlicher als linken Extremismus. Allerdings darf das dann nicht bedeuten, dass Linksextremismus kein Problem darstellt, das eine Lösung erfoderlich macht. Jede Art des politischen oder religiösen Extremismus ist ein gesellschaftliches Problem. Es ist kein Teil der Lösung, sondern ausschließlich Teil des Problems, wenn man das nicht anerkennt.

Italien als Bildnis über den Zustand der EU

Es geschieht schon wieder. Wir, die Europäische Gemeinschaft, lassen Italien im Stich. Italien liegt mit seinen vorgelagerten Inseln am nächsten an der Küste Lybiens, von wo die meisten Menschen den Weg über das Mittelmeer antreten. Vor der großen Flüchtlingsbewegung über die Landwege war das nicht anders. Nun sind die Wege über den Balkan geschlossen, was dafür sorgt, dass die meisten Menschen über die See kommen. Es scheint erneut allein Italiens Problem zu sein. Zumindest in den Gedanken der anderen Staaten Europas.

 

Immer mehr Menschen kommen auf Lampedusa an, Italien bittet um Hilfe, seit Jahren. Wir hören nicht hin. Was ich nicht so recht verstehen mag ist, dass von europäischer Solidarität die Rede ist. Das von allen Seiten. Gerade Deutschland hat viel darüber gesprochen und über mangelnde Solidarität geklagt. Was, die letzten zwei Jahre betreffend, auch richtig sein mag. Aber man darf dabei nicht aus den Augen verlieren, dass die Situation rund um die Flüchtlinge in Deutschland nicht geplante Solidarität war. Vielmehr hat man Flüchtlinge die langen Jahre vor 2015, in denen bereits viele Flüchtlinge in Italien landeten, aus dem deutschen Bewusstsein verdrängt. Schließlich gab es das Dublin-Abkommen, ein auf Papier geschriebener Anti-Solidarpakt.

 

Erst als man auf die Solidarität der Anderen angewiesen war, verwies man auf den Mangel eben dessen. Das finde ich falsch. Genauso falsch, wie Italien wiederholend mit der immer weiter wachsenden Anzahl ankommender Menschen allein zu lassen. Doch genau das passiert gerade. Statt sich der Aufgabe anzunehmen, werden Scheindiskussionen geführt über die NGO’s und über den de facto nicht möglichen Schutz der Außengrenzen. Nichts weiter als sehr oberflächliche Themen, die dem Thema Flucht nicht im Ansatz gerecht werden. Wir wissen, dass jeden Tag Menschen ankommen, deren Versorgung nicht allein italienische Aufgabe sein darf. Das ist der Fakt, das ist die Ausgangslage. Oberflächliches „Wie, Wo und Warum“ sind absolut fehl am Platz.

 

Allem Anschein nach sehen das die anderen Länder jedoch ebenso. „Hauptsache nicht zu unserem Problem machen.“, scheint das Motto zu sein. Wahlen gewinnt man damit nämlich nicht. Solange das so ist, kann man von Europa nicht als Wertegemeinschaft sprechen. Im Moment sind alle nur auf den unmittelbaren Nutzen aus. Dabei führen in einer echten Gemeinschaft kleine Opfer langfristig zu einem großen Nutzen, für jedes einzelne Mitglied einer solchen Gemeinschaft.  Eine Wertegemeinschaft, die den Begriff der gegenseitigen Solidarität exkludiert ist alles, aber keine Wertegemeinschaft. Um in Zukunft bestehen zu können, muss Europa aber genau das werden, eine Wertegemeinschaft.

Die Flucht vor der Verantwortung

Vor ein paar Monaten noch haben viele Menschen mit der einer Koalition aus Rot-Rot-Grün geliebäugelt. Auch die drei Parteien haben haben das als mögliche Machtoption gesehen und auch öffentlich so dargestellt. Nun aber kam das, was kommen musste, das Zerwürfnis. Wagenknecht brüskiert Schulz und geht damit auf Gegenkurs zur SPD. Damit bringt sie ihre Partei auf einen Weg, der nirgendwo anders enden kann als in der Opposition.

 

Ich hatte mich bereits früh festgelegt, dass eine Koalition mit Wagenknecht unmöglich sein würde. Der Grund ist unverändert die mangelnde Kompromissbereitschaft. Sie fordert als Bedingung für eine mögliche Koalition die komplette politische Kehrtwende hin zur absolut linken Politik. Alles andere definiert sie per se als nicht sozial und damit nicht verhandelbar. Dies bedeutet, dass eine Koalition nur dann eingegangen wenn würde, wenn die Koalitionspartner zu weitesten Teilen der Politik der Linken entsprechen würden. Das ist eigentlich ein Anspruch den man nur haben und stellen kann, wenn man selbst an der absoluten Mehrheit kratzt. Das tut die Linke nicht.

 

Genau deshalb sind diese Forderungen nichts anderes als ein Bekenntnis dazu, dass man keine Lust auf Regierungsverantwortung hat. Zumindest Wagenknecht nicht. Sie scheint sich in der Rolle der ewigen Oppostion zu gefallen. Das ist schade. Zwar ist es schwieriger und undankbarer zu regieren als in der Oppostion zu sein. Aber verändern kann nur, wer auch tatsächlich anpacken will. Ohne den eigenen Anspruch auch mal Dinge in die Tat umzusetzen, verliert sich ein wenig die Glaubwürdigkeit. Zwar ist eine starke Opposition wichtig, aber ohne den Willen, es auch wirklich mal anders zu machen ist die Opposition keine wirkliche Opposition und dadurch schwach.

 

Wie so häufig bei vielem im Leben ist es auch in der Politik wichtig den eigenen Idealismus mit Realismus zu vereinen, um etwas bewirken zu können. Wer regieren will, muss bereit sein Kompromisse einzugehen. Das gilt für alle Parteien gleichermaßen. Wagenknecht aber scheint das anders zu sehen. Damit versteckt sie sich hinter dem eigenen Idealismus vor der Verantwortung und macht es sich einfach. Ob sie sich jedoch damit einen Gefallen tut, wird sich im September zeigen.

Die immer gleiche Debatte

Gestern musste das Rockfestival Rock am Ring wegen einer Terrorwarnung unterbrochen werden. Ein sehr unschönes Ereignis, sind Rock am Ring Besucher doch traditionell, da spreche ich aus eigener Erfahrung, nicht vom Glück geküsst.
Wirklich toll aber war, wie die vielen Besucher mit der Situation umgehen. Ganz im Geiste dieser Veranstaltung. Glücklicherweise wurde das Festival aber heute schon fortgesetzt.

In den sozialen Netzwerken geschah, was immer passiert bei solchen Nachrichten. Eine Debatte über Flüchtlinge, den Islam und was das alles mit Terror zu hat.

Eines sei gesagt: Es braucht keine Flüchtlinge, um Anschläge zu verüben. Es gibt leider schon genug in Deutschland geborene Radikale. Deshalb ist jedes „Danke Merkel“ absurd und falsch. „Danke Integrationspolitik der letzten 30 Jahre“ müsste es eher heißen. Wobei es eben auch nur ein kleiner Teil eines Glaubens ist. Den größten friedlichen Teil der Muslime in Schuldhaft zu nehmen für die völlig verblendeten Salafisten kann und darf auch nicht die Lösung sein. Weder Flüchtlinge noch Muslime in Deutschland haben etwas mit den Terroristen in anderen Teilen der Welt etwas zu tun.

Die Islamisten befinden sich im Krieg mit der freien Welt, im Krieg damit, dass hierzulande Religionen friedlich miteinander leben können. Denn das torpediert ihr Bildnis der im Krieg befindlichen Religionen und Werte. Ein Bildnis, dass die Extremisten brauchen, um ihre Macht zu erhalten. Ein friedliches Miteinander entzieht ihnen ihre Existenzberechtigung. Deshalb und nur deshalb gibt es die Anschläge. Nicht weil alle Muslime im Herzen böse sind, alle Flüchtlinge auch und sowieso alles, was nicht genauso aussieht wie der Musterdeutsche. Was auch immer das sein mag.

Auch die Muslime in Deutschland und Europa sind Teil dieser freien Welt. Genau wie alle anderen auch, die sich an Recht und Gesetz halten und an einem Miteinander interessiert sind. Es ist nichts anderes als dumm, die Terroristen in ihrem Werk noch zu unterstützen, indem man generelle Anschuldigungen erhebt gegen alles jeden, der ein Merkmal mit den Extremisten teilt.

Ich glaube, dass eine dauerhafte Lösung in der Reformation des Glaubens liegt. Einfach nur, damit hier lebende Menschen sich nicht rechtfertigen müssen für die Taten von Terroristen, mit denen sie nichts gemein haben. Gibt es eine Abspaltung des Islam können sich die Terroristen nicht mehr auf die gleiche Religion beziehen. Ob man dafür Suren streicht oder einfach einige Aussagen relativiert und im Kontext der Zeit sieht, in der sie geschrieben wurden.

Ich weiß, in der Bibel wurden auch keine Zeilen gestrichen. Ich hätte allerdings auch dagegen nichts. Denn Religion muss mit der Zeit gehen. Nicht andersherum. Das Streichen bestimmter Suren hätte eine große Symbolkraft. Jedoch mehr für die Leute, die immer wieder von unbescholtenen Muslimen fordern, sie mögen sich bitte vom Terror lossagen. Wie soll das gehen, wenn man noch nie was mit Terror zu tun hatte? Weniger Symbolkraft für die Islamisten. Denn ungläubig ist für die Salafisten sowieso jeder, der nicht genauso lebt, wie die es vorschreiben wollen.