Die Entfesselung des Wahnsinns

Ich habe eine selbstzerstörerische Ader. Wohl auch deshalb habe ich mir soeben die Rede von Björn (Bernd) Höcke angeschaut, natürlich auf COMPACT-TV. Eine Rede, die von der Jungen Alternative organisiert wurde. Höcke nennt die Jugendorganisation J.A..

Was ich erlebt habe war keine Rede, sondern eine Entfesselung von Ideologie, ein Schwall der Abscheu mit einem nationalistischen Pathos, der mir das Blut gefrieren lässt. Nicht, dass es derlei Äußerungen nicht hin und wieder mal gegeben hätte. Doch ausgesprochen allenfalls von ein paar Spinnern mit der persönlichen Strahlkraft einer vor dem Verkauf aussortierten Tomate. Bei Höcke ist das anders.

Er reißt sein Publikum mit. Er schafft es die Erregung der Zuhörer Stück für Stück zu steigern, die Standing Ovations immer ekstatischer werden zu lassen. Höcke baut ein Bild auf, das von heldenhaftem Patriotismus, er meint eigentlich Nationalismus, und den Feinden dessen handelt. Feind ist jeder, der nicht zu den „aufrechten Patrioten“ zählt, die ihm auf am Schluss fanatische Art Beifall spenden. Die AfD sei die einzige Chance für „unser Vaterland“, um die, wie er sinngemäß sagt, großartige deutsche Kultur zu erhalten und zu wahrer Größe zurückzuführen.

Björn Höcke unterscheidet sich von Frauke Petry und anderen AfD Politikern. Denn er tut das, was er tut, nicht, weil er Karriere machen will. Er hält keine Reden, um einmal Abgeordneter zu werden. Eine Abgeordnetenrente interessiert ihn nicht. Ideologie ist sein Leitmotiv. Er ist überzeugt von dem, was er sagt. Er ist größenwahnsinnig und spricht davon, dass er erst aufhören will, wenn die AfD die absolute Mehrheit errungen hat. Sagt zu seinem Publikum: „Ich weise euch einen langen und entbehrungsreichen Weg. […] Aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt. Und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD. […].“ Tosender Applaus.

Er denunziert Roman Herzog. Er lächelt, als das Publikum Herzog einen Volksverräter schimpft. Höcke fordert Trauer ein für die „Kriegsverbrechen“ der Allierten und Russen am deutschen Volk. Mit der Bombardierung wollte man „uns Deutschen“ die Identität rauben. Er fordert, dass wir „unsere Opfer“ betrauern können. Unsere deutsche Geschichte würde „mies und lächerlich“ gemacht. Wir sollten uns ein positives Bild unserer Geschichte aufbauen. Eine „dämliche Bewältigungspolitik“ würde uns lähmen. Er spricht von einem Kampf, der nicht mit der Bundestagswahl enden wird. Der Saal steht auf und applaudiert frenetisch.
„Höcke nach Berlin, Merkel nach Sibirien“, hallt es durch den Saal. Er lässt sich feiern.

Nach und nach, das wurde schon vor einiger Zeit klar, lässt dieser Mann seine Maske fallen. Er kümmert sich nicht um seine Partei. Sie ist Mittel zum Zweck. Selbst in Parteikollegen sieht er potentielle Feinde. Es geht ihm darum einen wahnsinnigen Nationalismus zu entfesseln. Deshalb möchte ich einen dringenden Appell an all jene richten, von denen ich weiß, dass sie hier gelegentlich mitlesen und die zumindest mit der Partei sympathisieren, eine AfD mit Mitgliedern wie Höcke nicht zu wählen. Er vertritt Werte, die weit abseits einer Demokratie liegen. Er schürt Hass und lebt mit den gleichen Allmachtsphantasien, die schon einmal großes Leid über Deutschland und die Welt gebracht haben. Jenes Leid, zu dessen Vergessen er aufruft.

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