Das Prinzip Eigenverantwortung

Der Mensch ist ein wirklich bequemes Wesen. Er nimmt sich selbst wichtig, seinem Verantwortungsgefühl sind jedoch enge Grenzen gesetzt. Ich verzweifle. Nicht nur, weil ich mich in diesem schändlichen Dasein selbst ein wenig erkenne, auch weil ich so nicht sein will. Immer sind die anderen schuld. Niemals man selbst.

Der Welt geht es schlecht, einem großen Teil des Menschheit ebenso. Die Meere vermüllen, Wälder werden unwiederbringlich gerodet, am Tag (!) sterben noch immer ungefähr 30.000 Kinder an den direkten oder indirekten Folgen von Unterernährung, jeden Tag sterben um die 140, teils noch unerforschte, Tierarten aus. Es ist ein Jammer. Über die Gründe, warum dies so ist, habe ich mir schon oft den Kopf zerbrochen. Der Mensch ist nicht konsequent, er ist ein inkonsequenter Denker. Einer, der es sich allzu gerne leicht macht. Ganz ohne Zweifel gibt es viele Menschen mit gutem Willen. Und noch weitaus mehr, so müsste man nach öffentlicher Darstellungen vermuten können, sind wahre Helden. Mitfühlende, quer denkende, pfiffige Geister, die Tradition der Dichter und Denker wird beibehalten. Unsinn! Immer wieder wird die „Wahrheit“ gesprochen. Sie wird an einem einzigen Tag so oft umgedeutet und missbraucht, dass ich mir die Wahrheit ganz knitterig vorstelle. Wäre ein Bruchteil auch nur halb so klug, wie diese sich selbst empfinden, dann ginge es der Welt nicht so schlecht. Der Zustand unserer Welt sollte uns demütig machen, denn er ist der Spiegel unseres Wirkens. Er ist der Beweis für unsere Unzulänglichkeiten und der Gegensprech für all jene, die sich überlegen fühlen.

Was uns alle vereint ist die Ablehnung der Eigenverantwortlichkeit. Diese ist keineswegs unkonventionell oder quer gedacht. Sie ist ein Urpsrung des Übels. Schuld sind zumeist die Reichen und die Mächtigen. Sie lassen Wälder roden, sie korrumpieren an der Regierung eines Dritte-Welt-Landes die so dringend benötigten Entwicklungsgelder, sie betrügen den kleinen Mann, sie hintergehen ihr Volk. Politiker, Konzerne. Und gewiss haben zumeist diejenigen zuviel Macht, die sie nicht haben sollten. Dennoch entbindet uns das nicht von der eigenen Verantwortung und befreit uns auch nicht von unseren Möglichkeiten. Denn in Wahrheit ist der kleine Mann der große Mensch. Er entscheidet. Darüber, was er tun will, wen er unterstützen soll. Schuld am Unheil der Welt bin ich, nicht irgendwer anderes. Ich allein.

Die Feststellung, dass andere viel mehr zum Verfall der Welt beitragen, als man selbst, ist absolut nutzlos. Der eigene Einflussbereich wird dadurch nicht geschmälert. Jeder hat Macht. Die eigene Verantwortung dabei auf jemandem abzuladen, der seiner Verantwortung nicht nachkommt, ist nur eine Ausflucht in das aktive Ausblenden. Wer, wenn nicht ich selbst, kann meinem Dasein zu einer positiven Wirkung verhelfen.

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