Ein Tanz auf der Klinge

Es ist so verdammt schade. Aber die Debattenkultur will sich einfach nicht verbessern. Das liegt nicht an Frau Merkel, nicht an den Flüchtlingen und auch nicht an Bernd Lucke. Nein. Ganz allein an den Menschen, die sich unfähig zeigen konzentriert und sachlich miteinander statt gegeneinander zu reden.

Nachdem ich in meinem letzten Text nämlich die Aktion gegen Lucke verurteilt hatte, schlugen auch mir (Ankerherz erging es noch heftiger) teils krasse Reaktionen entgegen. Abseits unflätiger und grenzüberschreitender „Kontaktaufnahmen“, die ich gut ignorieren kann, gibt mir noch etwas anderes zu denken. Die Unnachgiebigkeit und Intoleranz, die ich mitbekommen „durfte“.  Leser entfolgten mir, in den Kommentaren gab es neben vieler toller Diskussionen auch viele Grabenkämpfe, in denen einfach nur Kampfbegriffe fielen und kein Interesse am Austausch bestand. Warum? Weil ich in völlig legitimer Weise die Freiheit der Lehre verteidigen wollte? Weil ich auch Lucke, solange er sich im Rahmen der Verfassung bewegt, in die Meinungsfreiheit einschließe? (Auch wenn ich ihn persönlich politisch keineswegs gut finde.) Mir leuchtet das nicht ein. Denn wie will jemand dem Hass entgegenwirken, wenn man nicht einmal bereit ist einen demokratischen Diskurs zu führen und wenn man allem entfolgt, das nicht der eigenen Meinung entspricht?

Zugegebener Maßen ist es nicht immer ganz einfach sachlich zu bleiben, insbesondere, wenn man die eigene politische Position angegriffen sieht. Aber Monster kann man nicht bekämpfen, wenn man im Kampf  gegen die Monster selbst zu einem wird. Etwas mit „for the greater good“ zu rechtfertigen, hat meistens einen gegenteiligen Effekt.

Denn: Die Anzahl an Monstern wird dadurch nicht geringer. Doch geht es nicht eigentlich darum? Die Anzahl der Monster zu verringern? Oder geht es nur darum eine bestimmte Sache zu beseitigen, um dabei die Entstehung eines anderen Übels billigend in Kauf zu nehmen.

Ein Miteinander ist manchmal wie ein Tanz auf einer Klinge. Man ist bestrebt herunterzuspringen. Dem komplizierten Leben in Selbstgeißelung ein Ende zu bereiten und sich dem Angriff auf die Wenigen hinzugeben, die sich auf der Klinge noch zu halten versuchen. Und auf den Rest der anderen Seite selbstverständlich. Es wäre der einfache Weg. Und wie schwierig es doch ist jemandem die Hand zu reichen, dessen Meinung man überhaupt nicht teilen kann. Ich kenne das selbst. Aber eben das ist es, was uns von den Populisten und Antidemokraten unterscheiden sollte, was den Frieden unserer Gesellschaft bewahren kann.

Wenn aber jeder nur in seinem Lager sitzt, von den anderen nichts hören will, die andere Meinung als minderwertig abtut und gegenseitig erklärt wird, wie doof man doch sei, dann führt das weder zu weniger Hass noch zu mehr Frieden. Daraus entstehen lediglich immer größere, extremere und unnachgiebigere Lager bzw. Fronten. Und genau diese Fronten, so denke ich es mir, müssen wir überwinden.

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