Clubhouse, Ramelow und ganz viel Ratlosigkeit

Immer mal wieder gibt es digitale Hypes. Momentan sorgt die neue App Clubhouse für Aufregung. Statt miteinander zu schreiben, wird miteinander geredet. Der Marketinggag, der viele momentan anzieht, ist wohl eine gefühlte Exklusivität. Clubhouse gibt es nur für Apple Geräte und außerdem braucht man eine Einladung, um mitmachen zu können. Wenn etwas exklusiv ist, dann wollen alle mitmachen. Simpel aber effektiv.

„Wir sind ja unter uns“

Wie dem auch sei. Es sprechen hauptsächlich jene, die ohnehin schon immer gehört werden: Politiker, Journalisten und alle, die irgendwas mit Medien machen. Clubhouse ist demnach keine neue Art zu kommunizieren, sondern bietet nunmehr lediglich eine weitere Bühne. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Atmospähre wohl etwas vertrauter ist. Trotz der Tatsache, dass Tausende zwar nicht mitreden, dafür aber mithören können.

Weil das Gefühl von „Wir sind ja unter uns“ aufkommt, sind in dieser elitären App einige Kuriositäten zustande gekommen. Ein singender Amthor zum Beispiel. Er sang im Übrigen, weil er Fragen zur Korruption rund um Augustus Intelligence nicht beantworten wollte. Hohe CDU-Schule.

Eine Respektlosigkeit und 10 Level auf Candy Crush

Viel schlimmer, vielleicht aber auch erhellender, war der Auftritt Bodo Ramelow. Ja, der Ministerpräsident Thüringens war auch mit von der Partie. Was er sagte ist ziemlich skandalös. Zunächst wegen einer unfassbar respektlosen Bezeichnung für Kanzlerin Merkel, die er „Merkelchen“ nannte. Nur Gott weiß, was passiert wäre, hätte sich Merz so ausgedrückt. Jedenfalls ist eine solche Respektlosigkeit von einem Ministerpräsidenten nicht akzeptabel. Wenn es nicht bezeugt worden wäre, dann hätte ich allenfalls Alice Weidel oder Beatrix (Bellatrix) von Storch zugetraut sich in dieser Art zu äußern.

Weiterhin ließ Bodo Ramelow verlauten, und das finde ich noch schlimmer, dass er während der Ministerpräsidentenkonferenz 10 Level auf Candy Crush durchgespielt hat. Eine wahnsinnige Leistung.

Mit großer Macht kommt große Verantwortung – ein höherer Anspruch

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. In der schwersten Krise seit Dekaden, in der Menschen um Gesundheit, Mitmenschen, ihre Existenz bangen und dabei auch bereit sein müssen ihre eigentlich unverhandelbaren Freiheitsrechte einzubüßen – während einer Diskussion, in der Entscheidungen zu alledem getroffen werden, spielt ein gewählter Ministerpräsident Candy Crush. Ich bin ehrlich entsetzt.

Nicht, weil Politiker keine Menschen sind oder sein dürfen. Jedoch bekleidet Ramelow eines der verantwortungsvollsten Ämter. Freiwillig. Er wurde nicht gezwungen und traut sich offenbar zu der immensen Verantwortung gerecht werden zu können. Daher ist es absolut gerechtfertigt eben auch besondere Anfsprüche an die Träger wichtiger Posten zu haben. Zu erwarten, dass jene mehr, konzentrierter und verantwortungsvoller arbeiten, als der Durchschnittsbürger. Denn all das geht mit der großen Macht einher. Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Nicht zuletzt sollte das der eigene Anspruch eines jeden Menschen sein, der oder die sich zutraut ein Bundesland zu führen.

Candy Crush spielen während über das Schicksal so vieler Menschen entschieden wird, ist völlig daneben. Einer der mächtigsten Entscheider Deutschlands verhält sich wie ein Schülerpraktikant, der keinen Bock auf Akten sortieren hat und lieber auf dem Handy daddelt. Und es hat keine Konsequenzen. Ramelow selbst sieht nicht ein irgendeinen Fehler einzugestehen. Warum auch?

Vielleicht hat Clubhouse mitsamt der trügerisch privaten Atmosphäre doch sein Gutes. Denn die App verleitet anscheinend einige Personen dazu zu zeigen, wer sie wirklich sind. Auch wenn am Schluss nicht viel weiter als Ungläubigkeit übrig bleibt.

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