Unerträgliches Schweigen

Lange habe ich Merkel verteidigt. Sie Menschen Schutz geboten, die diesen in tiefster Not benötigten. Ich habe geglaubt, sie täte es aus Überzeugung, Menschenrechte auch international zu verteidigen. Einer meiner größten Kritikpunkte an unserer Gesellschaft ist die nationalistische Begrenzung der Menschenrechte. Dabei sollten Menschenrechte nicht nur für Europäer und andere reiche Gebiete gelten, sondern für Menschen im Allgemeinen. So wie Armut, Wohlstand und Menschenwürde häufig nur im Rahmen des nationalen Staates bemessen werden, empfinde ich es als euphemistisch in diesem Zusammenhang von allgemeinen Menschenrechten zu reden.
 
Umso erfreulicher war der Schritt die syrischen Kriegsflüchtlinge in Deutschland zu empfangen und ihnen eine sichere Zuflucht zu gewähren. Diese Entscheidung stellte eine Sezession der bislang gebräuchlichen Ausprägung rein nationalistischer Menschenwürde dar. Auf einmal galt Menschenwürde auch für im Krieg gebeutelte Menschen. Ich habe darin einen Umbruch gesehen. Einen großen Schritt zu einer geeinten Menschheit.
 
Doch es werden mittlerweile Zweifel groß über die Motive von Merkel. Sie schweigt nun mehr schon seit zu langer Zeit. Die Türkei marschiert in Syrien ein und bekämpft jene Kurden, ohne die ein Sieg gegen den IS undenkbar gewesen wäre, mit deutschen Waffen. Kurz vorher noch haben die türkischen Spitzenpolitiker noch die Nähe zu Deutschland gesucht. Man fragte sich, woher der Sinneswandel denn auf einmal kommen konnte. Jetzt ist klar: Schnell Deutschland besänftigen und dann kann der Einmarsch starten.
 
Und es funktioniert. Glückwünsch.
 
Merkels und das Schweigen aller anderen Spitzenpolitiker der großen Parteien ist unerträglich und eine einzige Bankrotterklärung an jede Überzeugung, die in jungen Jahren womöglich auch deren Köpfe noch heimsuchten. Dieser Tage bin ich sehr enttäuscht von unserer politischen Führung. Wir brauchen Erneuerung.
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