Handlanger des IS

Der IS hat einen einfachen Plan. Es ist der gleiche Plan, den alle extremen Kräfte seit jeher verfolgen. Er will Gesellschaften spalten, gegen Religionen aufhetzen und Angst erzeugen. Wir, die freie Welt, sollen uns abschotten und in diesem Fall den Islam als schreckliche Religion brandmarken. So soll eine Spaltung nicht nur innerhalb Europas, sondern auch unter allen anderen Menschen, die in der „freien Welt“ leben, forciert werden. Hass soll die Folge sein. Denn nur mit Hass geht Spaltung einher. Ein Leichtes für den IS sich aus solchen Gegebenheiten heraus zu stärken. Der Daesh, wie ich ihn besser nennen sollte, ist nicht mächtig oder groß genug, so etwas selbst zu tun. Aber er ist klug genug, uns diese Aufgabe zu überlassen.

Nehmen wir das Beispiel Trump. Er hat per Dekret verfügt, dass generell keine Muslime aus bestimmten Ländern mehr einreisen dürfen. Um, wie er sagt, das amerikanische Volk vor dem islamistischen Terror zu schützen. Mit diesem Schritt tut er nichts anderes, als Muslimen im Allgemeinen eine Nähe zum Terrorismus zu unterstellen. Er stellt Gläubige muslimischen Glaubens auf eine Stufe mit diesen hasserfüllten Terroristen. Damit macht er sich zum Handlanger des Deash. Genau das war der Wunsch, das Ziel.

Paradoxer Weise sind gerade diejenigen, die am häufigsten und heftigsten gegen den Islam wettern, eben jene, die dem Daesh am meisten in die Hände spielen. Wenn ich Verschwörungstheoretiker wäre und ich würde „Cui bono“, wie es typisch ist, als einziges Mittel der Beweisführung akzeptieren, dann wäre meine Vermutung, der Deash hätte den Front National, die AfD und Trump geschaffen oder groß gemacht. Das tue ich natürlich nicht, den Irrsinn ist jedem Menschen so reichlich in die Wiege gelegt, dass es keiner Verschwörungen bedarf, um diesen Wahnsinn entstehen zu lassen.

Wie dem auch sei. Was ich sagen will, die Extreme dieser Welt, die Islamisten und die kleinen und großen Trumps, sie arbeiten in Wahrheit nicht gegeneinander, sondern miteinander. Sie brauchen sich und das wissen sie. Trump sagt, er will den Daesh vernichten. Doch was er tut, er treibt die Menschen in die offenen Arme islamistischer Extremisten. Indem man eine ganze Religion ablehnt, macht man sich zum Feind dieser Religion. Eben das, was die Extremisten den Leuten schon seit Anbeginn eintrichtern wollen. Ein symbiotisches Verhältnis zwischen den Extremen.

Deshalb müssen wir weitere Spaltung bekämpfen. Die größte Gefahr für Extreme ist Einigkeit, Respekt und Zusammenhalt. Nicht nur bezogen auf das eigene Land, sondern auch auf andere Länder, Religionen und Kulturen. Diejenigen, die für Verständigung einstehen, werden mit allen Mitteln bekämpft. Ihnen wird das unterstellt, was die extremen Kräfte selbst beabsichtigen.

Aber davon werden wir uns nicht beirren lassen. Trotz Trump darf man die Amerikaner nicht hassen. Trotz Putin darf man die Russen nicht hassen. Und auch trotz extremer Kräfte, die sich auf Religionen beziehen, darf man die Gläubigen nicht hassen. Denn: Wen ich hasse oder nicht, das entscheidet kein Staatschef und kein Gott. Sondern einzig und allein ich selbst. Und ich will nicht hassen. Ich will Menschen erst einmal respektvoll gegenüber stehen. Jedem. Unabhängig von Nationalität und Religion. So, wie ich es auch von anderen mir gegenüber erwarte. Ich werde mich nicht selbst dadurch entmündigen, dass ich andere Menschen darüber entscheiden lasse, wen ich mag und wen nicht. Niemals werde ich mir von irgendwem erzählen lassen, dass ich auf einmal mit einem Volk oder einer Religion im Krieg bin. Krieg wollen immer nur alte Menschen mit wenig Demut und viel Ego.

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Totale Trumpheit

Ich hatte zumindest dieses klitzekleine Fitzelchen Hoffnung. Dass Trump vielleicht nur so tut, dass er nur einer Strategie nachgeht und dass es letztendlich alles halb so wild wird. Jetzt sind gerade einmal ein paar Tage vorüber und ich bin jedweder Hoffnung beraubt. Das mühevoll über viele Jahre aufgebaute gute Verhältnis zu Mexiko ist innerhalb von nur wenigen Tagen zerstört, Konfrontationskurs mit China, Entrechtung der Frauen und grandiose Ideen, wie die Datenbank für alle US-Amerikaner muslimischen Glaubens oder die Mauer zu Mexiko, die ersten Schätzungen nach ca. 40.000.000.000 Dollar kosten würde. Das alles ist so rückwärtsgewandt, so unfassbar dämlich, dass es dafür ein neues Wort geben muss. Trumpheit. Geballte Trumpheit.

Es gibt noch immer einige, die ihn verteidigen. Besonders mit dem Fingerzeig auf ein besseres Verhältnis zu Russland. Ich halte das für äußerst naiv. Die USA sind weltweit aktiv, das allerdings selten aus reiner Nächstenliebe. Es geht um geopolitische Interessen, wie bei anderen Ländern auch. Der Konflikt mit Russland basiert unter anderem darauf, dass sich die Interessen von Russland und den USA überschneiden. Da Trumps Kredo „America First“ ist, muss man davon ausgehen, dass die Spannungen zwischen Russland und den USA nicht geringer werden. Zumindest in Anbetracht dessen, dass „America First“ nicht bloß ein dahergeredeter Spruch zu sein scheint, sondern sein unumstößlicher Leitspruch. Im Wahlkampf war davon nichts zu hören, Putin hat er gelobt, wie man es sonst nur von Gerhard Schröder oder Wagenknecht kennt. Vermutlich liegt es daran, dass man Trump jetzt erklärt hat, wer oder was Russland überhaupt ist.

Wie wir alle wissen, wird die nächste Präsidentin Lisa Simpson (Michelle Obama) sein. Nicht unbedingt zu beneiden, denn die totale Trumpheit wird viel Arbeit verursachen.

Die Entfesselung des Wahnsinns

Ich habe eine selbstzerstörerische Ader. Wohl auch deshalb habe ich mir soeben die Rede von Björn (Bernd) Höcke angeschaut, natürlich auf COMPACT-TV. Eine Rede, die von der Jungen Alternative organisiert wurde. Höcke nennt die Jugendorganisation J.A..

Was ich erlebt habe war keine Rede, sondern eine Entfesselung von Ideologie, ein Schwall der Abscheu mit einem nationalistischen Pathos, der mir das Blut gefrieren lässt. Nicht, dass es derlei Äußerungen nicht hin und wieder mal gegeben hätte. Doch ausgesprochen allenfalls von ein paar Spinnern mit der persönlichen Strahlkraft einer vor dem Verkauf aussortierten Tomate. Bei Höcke ist das anders.

Er reißt sein Publikum mit. Er schafft es die Erregung der Zuhörer Stück für Stück zu steigern, die Standing Ovations immer ekstatischer werden zu lassen. Höcke baut ein Bild auf, das von heldenhaftem Patriotismus, er meint eigentlich Nationalismus, und den Feinden dessen handelt. Feind ist jeder, der nicht zu den „aufrechten Patrioten“ zählt, die ihm auf am Schluss fanatische Art Beifall spenden. Die AfD sei die einzige Chance für „unser Vaterland“, um die, wie er sinngemäß sagt, großartige deutsche Kultur zu erhalten und zu wahrer Größe zurückzuführen.

Björn Höcke unterscheidet sich von Frauke Petry und anderen AfD Politikern. Denn er tut das, was er tut, nicht, weil er Karriere machen will. Er hält keine Reden, um einmal Abgeordneter zu werden. Eine Abgeordnetenrente interessiert ihn nicht. Ideologie ist sein Leitmotiv. Er ist überzeugt von dem, was er sagt. Er ist größenwahnsinnig und spricht davon, dass er erst aufhören will, wenn die AfD die absolute Mehrheit errungen hat. Sagt zu seinem Publikum: „Ich weise euch einen langen und entbehrungsreichen Weg. […] Aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt. Und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD. […].“ Tosender Applaus.

Er denunziert Roman Herzog. Er lächelt, als das Publikum Herzog einen Volksverräter schimpft. Höcke fordert Trauer ein für die „Kriegsverbrechen“ der Allierten und Russen am deutschen Volk. Mit der Bombardierung wollte man „uns Deutschen“ die Identität rauben. Er fordert, dass wir „unsere Opfer“ betrauern können. Unsere deutsche Geschichte würde „mies und lächerlich“ gemacht. Wir sollten uns ein positives Bild unserer Geschichte aufbauen. Eine „dämliche Bewältigungspolitik“ würde uns lähmen. Er spricht von einem Kampf, der nicht mit der Bundestagswahl enden wird. Der Saal steht auf und applaudiert frenetisch.
„Höcke nach Berlin, Merkel nach Sibirien“, hallt es durch den Saal. Er lässt sich feiern.

Nach und nach, das wurde schon vor einiger Zeit klar, lässt dieser Mann seine Maske fallen. Er kümmert sich nicht um seine Partei. Sie ist Mittel zum Zweck. Selbst in Parteikollegen sieht er potentielle Feinde. Es geht ihm darum einen wahnsinnigen Nationalismus zu entfesseln. Deshalb möchte ich einen dringenden Appell an all jene richten, von denen ich weiß, dass sie hier gelegentlich mitlesen und die zumindest mit der Partei sympathisieren, eine AfD mit Mitgliedern wie Höcke nicht zu wählen. Er vertritt Werte, die weit abseits einer Demokratie liegen. Er schürt Hass und lebt mit den gleichen Allmachtsphantasien, die schon einmal großes Leid über Deutschland und die Welt gebracht haben. Jenes Leid, zu dessen Vergessen er aufruft.

Demokratische Pflicht

Diskussionen habe ich eigentlich immer nur mit Leuten geführt, die nicht meiner Meinung waren. Als ich in der Schule war, ordnete ich mich nicht dem linken Spektrum ein, was für allseits rebellische Teenager eigentlich stets eine Selbstverständlichkeit war. Auch mit anderen, die sehr konservativ waren, konnte ich kaum auf einen Nenner kommen. Für die Einen war ich ein zurückgebliebener Konservativer, für die Anderen ein naiver Linker. Das ändert sich ein wenig. Vor allem vermutlich, weil ich Stück um Stück weiter zu diskutieren lerne.

Aber ich denke, dass diese Erfahrung sehr wichtig war für meinen derzeitigen Standpunkt in Sachen Diskussion. Weil ich weiß, wie es ist von der einen wie auch von der anderen Seite angeraunt zu werden, kann ich verstehen, dass beides ziemlich dämlich ist. Daraus resultiert, dass ich es als meine demokratische Pflicht begreife, mit allen möglichen Leuten aus dem gesamten Meinungsspektrum zu reden. Das nicht überheblich, denn so oft wie ich meine Positionen schon überdenken musste, gibt es dafür keinen Grund. Sondern auf zwischenmenschlicher Augenhöhe.

Weil ich irgendwie beides bin, habe ich verstanden, dass Linke wie auch Konservative in ihrer Art auf politisch anders eingestellte Menschen zu schauen, recht ähnlich sind.

Ein großer Wunsch(traum) würde in Erfüllung gehen, sollten mehr Menschen begreifen, dass Demokratie nicht nur Rechte bedeutet, sondern auch Pflichten umfasst. Die Pflicht sich um eine ausgewogene Meinung zu bemühen, die Pflicht andere Meinungen nicht zu schnell zu scharf zu verurteilen und die Pflicht seine eigene Position zu hinterfragen. Ich glaube, damit wäre viel gewonnen. Für alle. Gerade heute.

Spreu und Weizen

Jahreswechsel bedeutet Diskussion. Eine mittlerweile zweijährige Tradition mit der meinetwegen auch wieder gebrochen werden darf. Letztes Jahr war sie noch absolut notwendig, heute erscheint sie mir unnötig. Dass die Polizei nicht rassistisch gehandelt hat, erklärt sich mir eigentlich von selbst. Sie hat Lehren gezogen und ist gegen eine systematisch vorgehende Gruppe ihrerseits systematisch vorgegangen. Sie war dabei nicht rassistisch, sondern hat erfolgreich gearbeitet.

Die Realität kann nicht rassistisch sein. Es gab und gibt wohl eine Minderheit nordafrikanischer Menschen, die sich offenbar abgesprochen haben, um am Jahreswechsel zu eskalieren. Teil erfolgreicher Integration ist solcherlei Probleme zu erkennen und entsprechend ernst zu nehmen. Es gibt Asylmissbrauch, es gibt Leute aus den Mahgreb Staaten, die nicht hier sind, weil sie verfolgt werden und all jenes, was so häufig von rechter Seite beschrien wird. Das zu sagen ist nicht rassistisch, sondern ausschließlich Teil einer viel komplexeren Realität. Genauso wie die Polizeiarbeit, die sich vor einem Jahr komplett von diesen deutschlandweit paar tausend Kriminellen überfordert sah.

Die komplexe Realität bedeutet dann gleichsam, dass diese Kriminellen unter den Flüchtlingen eine kleine Minderheit sind. Die, die sich integrieren wollen, nimmt man nur halt weniger wahr. Rassistisch wäre es demzufolge, wenn man alle Nordafrikaner oder alle, die nur ähnlich aussehen unter Verdacht stellen würde. Aus den Taten einer Minderheit eine Identität für eine Mehrheit zu machen, das ist rassistisch. Dies zu erkennen, daran scheitern die Neu- und Altrechten kläglich.

Eine andere Dimension, die sich mir in dieser Debatte offenbart hat, ist die, dass sich auch im bürgerlichen Spektrum die Spreu sehr vom Weizen getrennt hat. Und zwar zwischen denjenigen, die ernsthaft an Lösungen interessiert sind und denjenigen, die sich vielleicht zu sehr in einer Idee verloren haben. Angefangen mit Simone Peter, gefolgt von Kommentatoren auf der Süddeutschen, die das Vorgehen der Polizei mit der Selektierung in KZ’s verglichen haben. Ich kenne die Motive nicht genau, aber dieser Ansatz ist und war in der Debatte um die Flüchtlinge nicht nützlich.

Es ist als stritte man sich mit der Starrköpfigkeit zweier Trolle. „Flüchtlinge sind alle gut!“, „Nein, Flüchtlinge sind alle schlecht!“. Die Wahrheit ist, die Meisten sind gute Menschen, die sicher nicht am Schaden anderer interessiert sind. Sie sind weniger präsent in den Medien, denn grundsätzlich wird mehr über negative als über positive Dinge berichtet. Dass bei über einer Millionen Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Regionen allerdings auch schlechte Menschen dabei sind, sollte eigentlich niemanden überraschen, der weiß wie man Statistik schreibt.