Wie die ARD seine Kritiker bestärkt

Nachdem ich das „Framing Gutachten“, verfasst für die ARD, überflogen habe, muss ich doch zugeben, dass ich einigermaßen schockiert bin. Gleich am Anfang wird das Ziel vorgegeben „Wenn Sie Ihre Mitbürger dazu bringen wollen, den Mehrwert der ARD zu begreifen […], dann muss Ihre (an die Mitarbeiter der ARD gerichtet) Kommunikation immer in Form von moralischen Argumenten stattfinden.“
 
Weiterhin heißt es, dass die Arbeit der ARD ist von moralischen Prinzipien getragen sei: „Die ARD setzt sich für bestimmte Dinge ein, weil sie von ihrer moralischen Notwendigkeit für das gesellschaftliche Miteinander überzeugt ist. Eine Kommunikation dieser Prinzipien ist nicht nur maximal wirkkräftig, wo es darum geht, Mitbürger mit ins Boot zu holen und für die ARD zu begeistern.“
 
Es geht in dem Text darum, wie man mit moralischen und sprachlichen Mitteln die Zuschauer und Zuhörer von der ARD begeistern kann und wie man den Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen kann. Moral wird in diesem Sinne als Waffe verstanden, die gegen die Kritiker der Öffentlich-Rechtlichen verwendet werden soll.
 
In der Tat deckt sich das vermehrt mit den Beobachtungen vieler Kritiker, die eben genau das kritisieren: Die Öffentlich-Rechtlichen als schlechte Quelle der Information. Weil Meinungen die ausgegebenen Nachrichten vorfiltern und damit verfälschen. So richtet sich das Gutachten, das auch den Eindruck eines pseudo wissenschaftlichen Appells aufweist, direkt an die Mitarbeiter der ARD:
„Denken und sprechen Sie nicht primär in Form von Faktenlisten und einzelnen Details. Denken und sprechen Sie zunächst immer über die moralischen Prämissen. Der Grund  ist einfach: Wenn Menschen sich für oder gegen eine Sache einsetzen, dann tun sie das nicht aufgrund von einzelnen Faktenargumenten und auch nicht aufgrund eines reinen Appellierens an ihren materiellen Eigennutz. Sondern, sie tun es, wenn sie das Gefühl haben, dass es ums Prinzip geht.“
 
Wie ich bereits vor einigen Monaten schrieb. Die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Auftrag. Sie sollen Fakten zur Verfügung stellen und Diskussionen begleiten. Sie sollen diese Diskussionen allerdings nicht lenken. Jeder Versuch das zu tun ist ein Verstoß gegen ihren Auftrag für den allein sie das Geld der Rundfunkgebühren anvertraut bekommen.
 
Ich sehe sehr wohl den Sinn und auch die Notwendigkeit von unabhängigen und der Objektivität verschriebenen Medien. Dafür zahle ich, und vermutlich die allermeisten auch, monatlich einen Betrag. Doch Gutachten wie diese und eine immer mehr von persönlicher Meinung geprägte Berichterstattung zeigt auf, dass viele Kritiker richtig liegen. ARD, ZDF und Co. sollen niemals abgeschafft werden, aber sie sind dringend reformbedürftig.
 
Sicherlich ist es so, dass dieses Gutachten keine direkte Handlungsanweisung ist an einzelne Journalisten. Aber die Vehemenz, mit der die ARD-Generalsekretärin jegliche Problematik in einem Interview in der WELT Online bestreitet lässt Zweifel zu, ob man als Mitarbeiter der ARD große Freiheiten hat entgegen solcher Richtlinien zu handeln.
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