Eine Einheit

Hanau. Ein Rassist mordet gezielt Menschen mit Migrationshintergrund. Ein Land in Schockstarre. Wenngleich eine solche Tat keineswegs mehr überraschend sein dürfte. Sie ist eine Fortführung einer ganzen Reihe von rechtsextrem motivierten Gewalttaten. Der Mord an Walter Lübcke, der versuchte Massenmord in einer Synagoge und nun der vielfache und gezielte Mord in einer Shishabar. Opfer sind jene, die sich für Vielfalt einsetzen oder diese selbst darstellen. Und dennoch gibt es noch Menschen, die nach jedem dieser Hassverbrechen relativieren. Sie relativieren die Motive, sie betreiben Täter-Opfer Umkehr; sie raltivieren mit jeder erdenklichen Methode. Nur mit einem Ziel. Sie wollen die ursprüngliche Motivation relativieren: Den Rassismus. Bald hieß es vonseiten der AfD, der Täter sei gar nicht so rassistisch gewesen, er sei lediglich ein Irrer, ein Verwirrter und völlig verrückt. Der sei ein Fall für eine Nervenanstalt gewesen und nicht für eine politische Diskussion. Die Unfähigkeit das Mordmotiv Rassismus (!) einfach anzuerkennen spricht Bände. So nämlich versucht die Partei verzweifelt das Bild zu verteidigen, dass Rassismus gar nicht tötet, nicht so gefährlich ist und irgendwo auch bürgerlich.

Nein! Das war er nie. Genauso wenig wie die AfD jemals bürgerlich war. Nirgendwo hat sich das so klar gezeigt, wie in der unsäglichen Reaktionen dieser reaktionären und neurechten Partei. Alles andere als eine klare und kompromisslose Verurteilung ist schändlich und per se ein antidemokratischer Akt. Der Sachverhalt ist schließlich klar und keineswegs diskutabel.

Tobias R., der Mörder, verfasste ein Manifest, in dem er seine Sicht auf die Welt beschreibt und mit dem er darlegt, warum Massenmord für ihn notwendig sei. So schreibt er unter anderem, dass einige „Völker (zu) zahlreich vertreten sind und […] auf eine weitere Vermehrung freiwillig nicht verzichten wollen.“ Er schreibt, dass aus diesem Grund eine Ausweisung nicht ausreicht, man müsse „gewisse Volksgruppen eliminieren“. Es folgt eine Aufzählung vieler Länder, die seiner Meinung nach ausgelöscht werden müssen. Dabei spricht er jedoch nicht von Ländern oder Staaten, sondern ausschließlich von Völkern. In der Mehrzahl mit einbegriffen in der völkischen Aufzählung sind asiatische und afrikanische Länder. Des Weiteren weist er darauf hin, dass nicht jeder mit deutschem Pass automatisch „reinrassig und wertvoll“ sei. Am Ende formuliert er das Ziel, dass es auf dem Planeten nur etwa 500 Millionen Menschen geben solle, die „germanischer Abstammung“ seien. Ausdruck von purem und ungezügeltem Rassismus also.

Richtigerweise hat die breite Gesellschaft einen Zusammenhang zur völkischen und rassistischen Ausdrucksweise der AfD hergestellt. Allzu schwer ist das immerhin nicht. Nehmen wir die Führungsperson des mächtigen „Flügels“ als Beispiel. Björn Höcke selbst schreibt in seinem Buch in ähnlicher Weise. Darin beschwört er einen „Volkstod“ durch „Bevölkerungsaustausch“. Er unterscheidet ebenfalls zwischen germanischen (übertragen) und „kulturfremden“ Menschen. Bezeichnenderweise bezieht er den Begriff eines kulturfremden Volkes ebenso wie Tobias R. primär auf asiatische und afrikanische Menschen. Björn Höcke, aber auch viele andere Politiker der AfD, machen sich mit Tobias R. außerdem gleich, wenn sie unterscheiden zwischen „Passdeutschen“ und „reinrassigen Deutschen“. Der nationalsozialistischen Gesinnung strikt folgend, dass man zwischen germanischer und anderer Abstammung unterscheiden müsse.

Weiterhin schreibt auch Höcke von notwendiger und „wohltemparierter Gewalt“. Er stachelt damit zu Gewalttaten an, er gibt in gewisser Weise eine Lizenz zum Töten. Denn schließlich sei es (und auch das schreibt Tobias R. deckungsgleich) eine notwendige Tat. Zum Wohle des größeren Ganzen. Die Ähnlichkeiten der Aussagen von Tobias R. zu den Aussagen vieler AfD Politiker sind nicht nur frappierend, es handelt sich um fast identische Aussagen, Einordnungen und Narrative. Solche, die keinen Zweifel daran lassen, wie es soweit kommen konnte. Die keinen Zweifel daran lassen, dass jene Politiker, die jetzt den Rassismus als Motiv relativieren wollen, eben selbst zum Teil dafür verantwortlich sind, dass der Mord an Walter Lübcke, ein fast geschehener Massenmord und nun auch Hanau geschehen konnte.

Rassismus tötet. Hass tötet. Nazis töten Menschen. Daran besteht kein Zweifel. Umso wichtiger ist es, dass wir, die Demokraten, in dieser Hinsicht zusammenstehen. Wir sind eine Einheit, so sehr wir auch unterschiedlicher Meinung sind. Wir stehen zusammen und wir stehen für eine Demokratie, in der jeder Demokrat einen Platz hat. Ganz gleich, wer wir sind, wie wir aussehen oder woran wir glauben. Nur mit einer solchen Einheit, die von rechter Seite in hilfloser Manier als Einheitspartei diffamiert wird, lässt sich klar abstecken, wo die Grenzen des demokratischen Diskurses sind. So sehr sich die AfD auch darüber aufregt, dass wir da alle einer Meinung sind. Aber es ist kein Zeichen der Gleichschaltung, dass alle Demokraten auf den Ursprung solcher Taten hinweisen.

Im Gegenteil. Es ist handelt sich um eine demokratisches Selbstverständlichkeit sich für das Existenzrecht eines jeden Menschen einzusetzen. Es ist eine humanistische Selbstverständlichkeit den Menschen und nicht die Nationalität oder die Hautfarbe zu sehen. Aus diesem Grund ist die einheitliche Reaktion auf dieses Verbrechen aus Hass und der richtige Hinweis auf die Zusammenhänge zur AfD, nichts anderes als Ausdruck einer starken Demokratie, die Platz für jeden Demokraten in ihrer Mitte hat. Mir macht das Mut. Denn es gibt mir die Gewissheit, dass sich die Geschichte nicht wiederholen wird. Wir sind dafür viel zu einig und viel zu standhaft. Wir sind eine Einheit.

 

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